In dieser Rubrik möchte ich Hardware vorstellen, die nicht direkt mit dem Router zu tun haben, aber doch als Erweiterung für die Funktionen im LAN, WAN oder Internet sinnvoll sein können.
Testbericht (wireless) Netzwerk-Kamera / Internet Camera (Starchip/link-server)
Seit längerem störte mich an meiner USB-Webcam die Bindung an den PC und auch dass man die Bilder immer nur auf einem Rechner sehen kann. Überwachungsfunktionen (Eingangsbereich) oder mal eben per Internet aus der Ferne nachschauen, was denn meine Hunde so während meiner Abwesenheit mit der Wohnung anstellen, erforderte einen immer eingeschalteten Computer. Dann gibt es bei den USB-Kameras noch das Problem, dass die Kabellänge von USB begrenzt ist und man so ohne zusätzliche Verstärker die Kamera immer im gleichen Raum platzieren muss, in dem auch der Rechner steht.
Damit ist es nun bei mir vorbei, denn seit einigen Monaten bin ich nun im Besitz einer sogenannten IP-Kamera bzw. Internet-Kamera. Die Kamera wird von der Firma Starchip in Deutschland vertrieben und löst für mich alle vorgenannten Probleme. Die Kamera gibt es einerseits nur mit Ethernet-Anschluß und auch mit Ethernet- und Wireless-Anschluß.
Im Folgenden möchte ich euch nun einen Erfahrungsbericht zu der Kamera abgeben - vielleicht ist ja so eine IP-Cam auch für euch interessant ;-)
Besonderheiten der IP-Camera
Nun, entscheidend ist, dass diese Kamera einen eigenen Prozessor beinhaltet mit Betriebssystem (Firmware) und eingebautem Webserver. Sie wird einfach per Ethernet-Kabel (oder auch wireless) in das LAN gehängt und kann dort von jedem Rechner aus mit ihrer IP-Adresse angesprochen werden.
Es ist so möglich, sich von jedem Rechner aus den Live-Stream der Kamera anzuschauen und diese Bilder auch für das Internet freizuschalten (dazu später mehr). Man ist also völlig unabhängig von einem Computer, an dem eben eine USB-Kamera angeschlossen sein muss.
Mit der mitgelieferten Software ist der Aufbau einer professionellen Videoüberwachungslösung auch mit mehreren Kameeras kein Problem - einschließlich Anzeige von bis zu 16 Kameras gleichzeitig auf dem PC-Monitor.
Technik
Von der Abbildungsleistung her entspricht die Darstellungqualität einer guten USB-Webcam. Das Objektiv ist auswechselbar und wird manuell scharfgestellt. Die maximale Bildauflösung beträgt 640x480 Pixel. Die Darstellungsqualität ist für die verwendete Technik (CMOS) recht ansprechend und auch die Schärfe, abgedeckten Helligkeitsbereiche und der Kontrastumfang sind für eine Kamera mit CMOS-Chip absolut ok.
Für Leute mit höheren Ansprüchen an die Abbildungsleistung gibt es auch von Starchip einen separaten Videoserver. Hier wird also nur die Anbindung an das Netzwerk geliefert und man kann eine beliebige Kamera mit Videoausgang anschliessen - also z.B. eine alte, ausrangierte Videokamera, die im Allgemeinen bessere Abbildungsleistungen als CMOS-Kameras bieten.
Der Stream der Kamera kann entweder per JAVA oder mit einem ActiveX-Modul angezeigt werden. Will man den ActiveX-Modus nutzen, dann muss man eine mitgelieferte ocx-Datei irgendwo im Internet oder LAN platzieren - der Pfad zu dieser Datei wird im Webserver der Kamera angegeben. Nutzt man die Kamera nur im LAN, ist es allerdings einfacher, diese OCX-Datei auf jeden Rechner ins Systemverzeichnis von Windows zu kopieren.
Java funktioniert ohne zusätzliche Dateien allerdings immer und so ist die Bildanzeige per JAVA sicherlich die einfachere und da JAVA auch für jedes gebräuchliche Betriebssystem kostenlos zur Verfügung steht und meist sogar schon aktiviert ist, die universellere Lösung. Der Aufruf per JAVA und ActiveX kann aber auch gemischt und gleichzeitig von verschiedenen Rechnern erfolgen.
Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist der Upload der Bilder auf einen FTP-Server einschließlich Schedulerfunktion nach Tag und Uhrzeit. Die Kamerbilder können hierbei entweder immer überschrieben werden, oder die letzten x Bilder zyklisch angezeigt bzw. überschrieben werden oder auch alle Bilder mit Datum und Zeit gespeichert werden. Die Bildrate für den Upload ist hierbei zwischen 1-3 Bildern/sek oder Automatik (ggfs. triggergesteuert) einstellbar.
Die Stream-Frameraten sind im Wireless-Betrieb für Überwachungsfunktionen mehr als ausreichend (gemessene 160x120/30fps, 320x240/14-25fps, 640x480/4fps - jeweils mit mittlerer Kompression), wobei erstaunlicherweise in der Auflösung 320x240 die ActiveX-Variante mit 25fps deutlich schneller ist als die JAVA-Variante mit 14fps.
Die Kamera wird im Normalfall sicherlich an einem Router hängen und über diesen einen eventuellen Live-Stream in das Internet senden (natürlich nur, wenn man das möchte). Als Besonderheit bietet die Kamera aber auch noch die Möglichkeit, dass man sie direkt ein ein DSL-Modem anschliesst und die Kamera somit auch eigenständig die Internetverbindung aufbaut - man kann die Kamera also mit ihrem eigenen Internetanschluß betreiben!
Neben diesen Funktionen hat die Kamera aber auch noch sog. Trigger-Ein/Ausgänge (jeweils 2). Man kann hiermit also z.B. die Kamera durch einen Bewegungssensor oder/und eine Türklingel aktivieren lassen und dann durch die Ausgänge einen Rechner einschalten lassen (zur Aufnahme der Live-Bilder) oder ein Zusatzlicht einschalten, eventuell einen Schrittmotor steuern ...
An die Trigger-Eingänge ist dann noch die Möglichkeit gebunden, dass man bei einem "Trigger-Ereignis" automatisch Mails mit den aktuellen Bildern verschicken lassen kann - hierbei ist Anzahl/Sekunde und Gesamtanzahl der zu sendenden Bilder für jeden Triggereingang separat frei einstellbar.
Firmware/Webinterface
Die Kamera verfügt über eine eigene Firmware und für die Einstellungen gibt es ein per Browser konfigurierbares Webinterface, wie man es auch von den (Vigor-)Routern her kennt.
Die Menge an möglichen Einstellungen ist erstaunlich und ich gebe hier mal nur die entsprechenden Schlagworte, da vieles auch aus der Routerwelt bekannt sein sollte:
Administrorkonfiguration mit frei wählbarem Adminnamen und Passwort, Benutzerverwaltung mit unterschiedlichen Rechten (nur Anzeige des Videobildes oder auch Ändern der Einstellungen), automatische oder manuelle Zuwesung von IP-Adresse mit Subnetzmaske und Gateway für den Internetzugang, DNS-Konfiguration, WIreless-Konfiguration einschl. WEP-Verschlüsselung, Serverport einstellen, LED-Kontrolle der LED neben dem Objektiv (immer blinken auch wenn nicht gesendet wird, nie blinken, blinken, wenn Bilder gesendet werden).
Eingebaute Uhr mit der Möglichkeit, sich die Zeit automatisch aus dem Internet von einem Time-Server zu holen.
Bildauflösung, Kompressionsrate, Framerate (1-20fps und Auto), Grund-Bildeinstellungen von Helligkeit, Kontrast und Sättigung - die Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse erfolgt immer automatisch!
Konfiguration der Trigger-Ein/Ausgänge (Mailversand bei Trigger-Ereignis, Ansteuerung der Trigger-Ausgänge).
Konfiguration des FTP-Uploads (Server, Port, Username, Passwort, Pfad, Time-Scheduler, Bilderzyklus, ...)
Mitgelieferte Software
Die mitgelieferte Software ist nur erforderlich, wenn man den Betrieb im LAN erweitern möchte. Speziell die Aufnahme der Bilddaten und die Verwaltung mehrerer Kameras (Multiscreen-View) ist hierbei möglich. Man kann also mit mehreren angeschlossenen Kameras eine Videoüberwachung realisieren, die sich von den Möglichkeiten her mit den um ein vielfaches teurerem System aus der Sicherheitstechnik messen kann. Jeder, der sich schon mal für eine Video-Überwachung mit Anzeige von z.B. 4 Kameras gleichzeitig in herkömmlicher Technik interessiert hat, der weiss, was sowas normalerweise kostet - hier ist alles dabei und man braucht im Endeffekt nur einen Computer mit beliebig vielen Kameras, die per Ethernet oder Wireless angebunden werden. Die gleichzeitige Darstellung von z.B. 16! Kamerabildern auf einem entsprechend grossen und hochauflösenden Monitor ist problemlos möglich!
IP-View
Mit dieser Software kann man alle Funktionen, die im Webinterface einstellbar sind, auch im Programm konfigurieren. Zusätzlich kann man hier alles einstellen, was nur im Zusammenhang mit einem Computer Sinn macht (Anzeige mehrerer Cams - Multiscreen, Motion-Detection zur Aufzeichnung der Bilddaten auf den Rechner bei Bewegung, maximale SPeicherplatzbelegung durch die Bilddaten auf dem Rechner, ...)
Diese Software ist also das Herzstück, wenn man eine Videoüberwachung - speziell auch mit mehreren Kameras - aufbauen möchte. Hierbei wird sowohl die Live-Überwachung als auch die Aufzeichnung der Bilddaten über dieses Programm gesteuert. Weiterhin ist über die Software aber auch z.B. ein Firmware-Update möglich.
IP Spy
IP Spy bietet ähnliche Funktionen wie IP-View und hierbei allerdings etwas eingeschränkte Funktionen, die mehr auf die Live-Überwachung mit gleichzeitiger Aufzeichnung abzielen. Die Programme gleichen sich im Funktionsumfang aber doch sehr, wobei IP Spy die vielleicht einfachere Handhabung hat, wenn man diese z.B. bei einem Pförtner oder im Sekretariat installiert und sie somit nach einfacher Anweisung bedienbar sein muss. IP-View hingegen würde ich eher als die Software sehen, an der von "dem Überwachenden" keine Bedienhandlungen vorgenommen werden müssen oder sollen.
Beispielbilder
Um sich einen Eindruck von der Bildqualität zu machen, habe ich mal einige Aufnahmen mit den Standardeinstellungen gemacht. Die Schärfe war nur grob eingestellt - hier könnte also noch etwas mehr möglich sein - vor allem bei den Außenaufnahmen:
Innenraum 640 x 480, mittlere Kompression, alle Werte Standard
Aussen 640 x 480, mittlere Kompression, alle Werte Standard (durch Fliegengitter, daher etwas "matschig" ;-))
Aussen 320 x 240, mittlere Kompression, alle Werte Standard (durch Fliegengitter, macht sich bei der Auflösung nicht mehr bemerkbar)
"Makroaufnahme" 640 x 480, mittlere Kompression, alle Werte Standard (aus dem Inhalt einer bekannten Fachzeitschrift ;-)).
Eigentlich ist die Kamera für sowas gar nicht gedacht, es funktioniert aber. Die Tiefenschärfe ist hier natürlich sehr gering und daher kommt auch durch die Wölbung eine schlechtere Schärfe in den Ecken. Obwohl eine leicht abfallende Schärfe meiner Kamera in den Ecken auch so zu sehen ist - bei "normalen" Aufnahmen fällt dies allerdings nicht auf.
Hier wird auch die tonnenförmige Verzerrung durch den starken Weitwinkelbereich des Objektivs deutlich.
Fazit
Da ich beruflich auch mit der Planung und Installation von Videoüberwachungs-Lösungen im Bereich der Sicherheitstechnik zu tun habe/hatte, bin ich von der gebotenen Leistung, dem Preis und dem erforderlichen Installationsaufwand absolut begeistert. Häufig bieten die deutlich teuereren Systeme sogar noch eine schlechtere Bedienbarkeit und auch Bildqualität.
Die IP-Kameras gibt es zwar schon einige Zeit auch von anderen Herstellern, aber bisher lagen die eigentlich eher in (für mich) unbezahlbaren Regionen. Nie war es günstiger, eine professionelle Videoüberwachung mit minimalem Aufwand zu errichten!
Aber auch für "normale" User, die eine Kamera zur Überwachung ihrer Wohnung oder just for fun für Live-Bilder für's Internet brauchen, ist die IP-Camera eine feine Geschichte.
Und mit der Wireless-Variante kann man sich jederzeit auch einen neuen Standort überlegen, wo man die Kamera platzieren möchte - einzige Voraussetzung ist eine Steckdose und es muss natürlich in der Reichweite der Wireless-Verbindung liegen (die Reichweite ist übrigens extrem gut - die Außenaufnahmen waren durch eine Betondecke und 3 Mauerwerkswände zu einem Draytek Vigor 2200W+ und mein Laptop wollte bei der Distanz nicht mehr empfangen!). Für die Cam gibt es sogar Außengehäuse!
Man ist aber unabhängig vom Standort des Computers und bei reinem Internetbetrieb braucht noch nicht einmal ein Computer eingeschaltet zu sein. Und das ganze für einen Preis, der für die gebotene Technik wirklich als günstig zu bezeichnen ist.